Wettkampfbericht Ironman Arizona von Stefan Schmid
Hier ein ausführlicher Bericht von meinem letzten Rennen 2011, dem Ironman Arizona:
Das Schwimmen war unspektakulär und wie erwartet. Ich kam gemeinsam mit Jordan Rapp (USA, Sieger Ironman Arizona 2009) und Christophe Bastie (FRA) aus dem Wasser.

Auf den ersten 20 Radkilometern konnte ich den beiden folgen. Jedoch hat Jordan Rapp eine Wahnsinns-Geschwindigkeit vorgelegt, so dass ich mich entschloss, mein eigenes Tempo zu fahren. Schnell bildete sich eine 7-köpfige Gruppe um Viktor Zyemtsev (8-facher Ironman Sieger aus der Ukraine). Mit dabei war unter anderem auch der 2te des Ironman Florida 2010, Pedro Gomez. Ich fühlte mich sehr wohl auf dem Rad und konzentrierte mich darauf, viel zu trinken, um meinen Körper immer wieder mit Energie zu füllen.
Zu diesem Zeitpunkt lagen wir ungefähr auf den Plätzen 20 – 25. Vorne weg waren die Top-Stars der Szene wie Eneko Llanos, Tim O‘Donnell, Sebastian Kienle und noch einige mehr. Der Abstand war nun schon so groß und ich wusste, mein großes Ziel (Top-10 Platzierung) würde nur schwer zu erreichen sein. Doch dann ging alles sehr schnell. Bei Kilometer 160 attackierte Matthew Russell (USA) und Viktor Zyemtsev fuhr mit. Als ich mich umblickte erkannte ich, dass der Rest der Gruppe schon ziemlich am Ende war. Das war die Chance evtl. doch noch den Sprung unter die Top 10 zu schaffen. Ich fühlte mich sehr gut. So riskierte ich eine Tempoerhöhung (von ca. 40 Watt) und fuhr mit den beiden Ausreißern mit. Ganze 3 Kilometer später war jedoch Schicht im Schacht. Mir wurde schwindlig und ich konnte kaum noch treten. Die letzten 25 Kilometer bis in die 2te Wechselzone waren die Hölle. Ich war heilfroh, endlich in die Laufschuhe steigen zu können – mit der Hoffnung auf Besserung. Trotz aller Versuche mit Cola, Iso, Energy-Gels und viel Kühlung durch Schwämme hat sich mein Zustand bis km 30 nicht nennenswert gebessert. Zum ersten Mal habe ich ans Aussteigen gedacht. Am liebsten hätte ich an einer der Verpflegungsstellen angehalten und meinen Kopf in eine große Tonne mit Eiswasser getaucht, nur um wieder klar im Kopf zu werden.

Doch genauso schnell, wie meine Probleme kamen, gingen sie auch wieder weg (aber leider etwas zu spät). Bei Kilometer 30 fühlte ich mich schlagartig wieder gut, insofern man nach über 7 Stunden Wettkampfdauer von „gut fühlen“ sprechen kann. Der körperliche Schmerz war so groß wie immer, aber ich hatte keine Kopfschmerzen mehr und viel wichtiger, mein Gehirn hat auf „Kampf“ umgeschalten. So konnte ich mich noch von der 20sten Position auf einen guten 13ten Platz vorkämpfen.
Ich habe die Top-10 knapp verfehlt, aber wenn man bedenkt, in welcher körperlichen Situation ich war macht mich dieser Platz 13 überglücklich.
Außerdem konnte ich eine neue persönliche Bestzeit über diese Distanz aufstellen. Für die 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,195 km Laufen benötigte ich 8 Stunden 32 Minuten und 59 Sekunden. Und das auf einem Kurs, der es in meinen Augen in sich hat. Zwar ist die Radstrecke relativ flach und kann nicht so viele Höhenmeter aufweisen wie beispielsweise die des Ironman in der Schweiz, aber gerade das macht die 180 km so anspruchsvoll. Man muss die ganze Zeit richtig auf‘s Pedal drücken und kann sich keine Sekunde lang ausruhen. Bei bergigen Radstrecken gibt es immer wieder Abfahrten, auf denen man sich erholen kann.
Ich konnte einige Top-Athleten wie Tim O‘Donnell (mehrfacher Ironman 70.3 Sieger und 2ter des Ironman Texas) und Fraser Cartmell (Sieger Ironman UK 2010) hinter mir lassen und bin so mit meiner Leistung zufrieden. Wenn man bedenkt, dass die ersten 5 Finisher zwischen 35 und 40 Jahre alt sind, liegen die besten Jahre noch vor mir.

Im Hinblick auf die Qualifikation für den Ironman Hawaii 2012 habe ich jetzt gesamt 1440 Punkte, und das, bevor 2012 überhaupt begonnen hat.
Vielen Dank für`s mitfiebern und Daumen drücken!
Viele Grüße
Euer Stefan Schmid
Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!
Bild und Textquelle: Stefan Schmid - http://www.schmid-stefan.de/Triathlet/News/Eintrage/2011/11/21_Wettkampfbericht_Ironman_Arizona.html
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