Trailrunning am Gardasee von Oliver Binz: „The Birthday-Story“

Trailrunning am Gardasee
Oliver Binz: „The Birthday-Story“

Trailrunning am GardaseeUnseren Kurzurlaub über 5 Tage verbrachten wir dieses Jahr wieder am Gardasee in einer sehr netten Ferienwohnung in der Nähe von Salo. Natürlich muss man solche idealen äußeren Bedingungen für einen Trail-Trainingslauf nutzen. Also, Schuhe geschnürt, Rucksack gepackt, hinaus in das beste Station der Welt: die Natur. Ein Ziel gab es auch: der Monte Baldo.

Die Strecke führte von Castelletto di Brenzone über den Wanderweg „665“ den Berg hinauf. Kurz vor 6 Uhr parkte ich das Auto und fand den Einstieg in die große Natur. Neben einem tollen Erlebnislauf war heute auch ein Trainingstag mit Höhenmetern fressen und lange Laufen angesagt.

Trailrunning am Gardasee Trailrunning am Gardasee

Da der Startpunkt direkt am Gardasee lag, begann der Weg bei 65 mtr über dem Meeresspiegel. Auf extrem holprigem Serpentinenwege gewann ich rasch an Höhe. Wer schon öfters in Italien auf Wanderwegen unterwegs war, weiß, dass die Italiener es nicht so genau nehmen mit der Wegmarkierung.

Da sind wir Deutsche ein wenig verwöhnt mit unserem bestens präparierten Wegenetz im Mittelgebirge und den Alpen. Aber das macht es ja auch interessant nur mit groben Anhaltpunkten zu laufen. Mir war es egal: ich musste nur da rauf auf den Berg. Gegen 8 Uhr trafen mich die ersten Sonnenstrahlen und ich hatte schon 1400 Höhenmeter hinter mir und die Baumgrenze erreicht.

Vor mir bot sich mir ein phänomenales Bild:

Trailrunning am Gardasee Trailrunning am GardaseeWiesen mit Millionen von Krokussen und jede Menge Schnee, welcher alle Wegemarkierungen verschluckte. Als weiteres Zwischenziel fokussierte ich die Wanderhütte Rif Fiori del Baldo auf 1815 Meter und stieg im Tiefschnee Schritt für Schritt kerzengerade hoch.

Keine Serpentinen mehr, nur noch schnurstracks hoch, die Stöcke konnte ich nur noch zum ausbalancieren benutzen, da sie ohne Halt im Tiefschnee versanken.

Die leicht angefrorene Schneedecke, welche noch über 1 Meter hoch war, verhinderte noch das tiefe einsinken der Beine.

Trailrunning am Gardasee
Der Blick zurück waren einfach genial: weißer Schnee, tiefblauer Gardasee und weißblauer Himmel Richtung westlicher Berggruppe. Nach ca 3 Std hatte ich die 2000er Grenze erreicht, wenige Meter vom ersten Gipfel des Monte Baldo Massiv, dem Coal Santo (2072mtr). Jedoch änderte sich nun das Wetter rapide. Vom Osten, aus Richtung Verona, kam urplötzlich eine Schlechtwetterfront rein und peitschte mir die Wolken links und rechts um die Ohren.

Trailrunning am GardaseeTrailrunning am GardaseeSchnell noch ein paar Photos machen, Jacke und Schal an, und dann gehts abwärts. Es folgte einer der genialsten Teile des heutigen Traillaufes: Im Sturzflug ging es auf dem Schneefelder rasend schnell bergab. Heida, was für ein Spaß. Erinnerung an die 7.Etappe vom Transalpine Lauf 2007 wurden wach, als Martin und ich nach der Paßüberquerung auf 3000 Meter Höhe, dem Tal über die Schneefelder entgegenflogen.

Zurück zum Gardasee: Beim Bergabsprint brachte ich nun mehr Gewicht auf die Schneeoberfläche und sank somit bei jeden Schritt ca 30-40cm tief ein. Durch die leichte Eisschicht auf dem Schnee brannten recht schnell die Schienbeine, doch der Schnee kühlte zugleich.

Kurz stehen bleiben, verschnaufen, ein Blick über die Schultern und die Frage was macht das Wetter hinter mir ?€œ, ein Blick auf die Schienbeine €“ bluten nicht, brennen nur €“ und weiter gehts bergab. 500 Höhenmeter in knapp 10min das schafft man nicht alle Tage, anstrengend aber absolut genial. Erstes Resümee: Puma-Goretex-Schuhe sind wasserdicht, Socken und Waden tiefgefroren. Auf 1400 Meter ist erstmal Erholung angesagt.

Trailrunning am GardaseeBeim längeren Trailrun habe ich immer meine Vitargo-Verpflegung dabei: 2 ltr Elektrolyte und einen Riegel, als Zugabe noch einen Beutel Rosinen für zwischendurch oder für die schnelle Regeneration nach dem Lauf. Das Wetter ist hier unten auch wieder entspannter, aber einen Weg finde ich nicht. Na gut, das Ziel steht ja fest: zurück zum See und der liegt direkt 1400 Meter unter mir: also kerzengerade aus bis etwas zur Orientierung kommt.

Worte von Stephan Repkes Berichten aus dem Mai-Trailmagazin kommen in Erinnerung: enge Kurven, Powerslides, spüre den Boden unter dir, erfahre die Natur, wie Recht du hast, Stephan Es gibt nichts schöneres als in unserem Station der Natur zu laufen, fernab von allem.

Riechen, fühlen, erleben €“ die schönste Art zu laufen. Irgendwann kommt doch wieder eine Straße zum Vorschein, kurze Orientierung, dem Wanderweg „34“ und „31“ folgend, hier gehts zum Auto zurück.

Nach 5 ½ Std, ca 25 km und 2100 Höhenmeter bergauf und bergab kam ich glücklich und gesund wieder zurück. Ich suche mir einen Möglichkeit um eine Flasche Wasser zu kaufen, setze mich an den Gardasee und lasse die Füße im Wasser baumeln. Neben meinem Refresher-Getränk denke ich: Cooles Erlebnis. Kein organisiertes Lauf kann schöner sein als der eigene Trail. Nun schnell zur Ferienwohnung zu den Allerliebsten zurück und meiner entzückenden Frau Judith einen dicken Dankeskuß geben: sie schenkte mir einen Trailtag während unseres Kurzurlaubes zum Geburtstag €“ Vielen lieben Dank und einen dicken Kuß- Gibt es ein schöneres Geschenk ?

Keep on trail-running: Oliver Binz

Trailrunning am Gardasee

Quelle Bild und Text: Oliver Binz – Vielen Dank für diesen Beitrag und in sein vertrauen in Vitargo 🙂
Der Bericht erschien auch unter: http://www.tv-goldbach.de/tvgoldbach/index.php?category=abteilungen&subcategory=laufsport&topic=9230

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