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Auf dem beschwerlichen Weg zum Rennsteig, Teil 2 – der Syltlauf

Wie bereits im ersten Teil angekündigt, ist der Syltlauf über 33,333 km nach dem Halbmarathon in Vreden, zu dem wir wegen der winterlichen Witterungsbedingungen nicht angetreten sind, nicht nur der erste Wettkampf in dieser Saison, sondern auch sofort ein echtes Highlight. Denn der Syltlauf sorgt seit mittlerweile 30 Jahren dafür, dass Deutschlands nördlichste Insel nicht nur bei Urlaubern beliebt ist, sondern sich auch unter Ausdauersportlern wachsender Beliebtheit erfreut. Schon wenige Wochen nach Öffnung der Anmeldelisten sind die rund 1500 Startplätze vergeben, wofür unter anderem auch ein hoher Anteil an “Wiederholungstätern” verantwortlich ist, die es Jahr für Jahr Mitte März zu Deutschlands nördlichstem Lauf-Event zieht.

So stehe ich in diesem Jahr bereits zum 17. Mal an der Startlinie, Christine reiht sich bereits zum elften Mal in die in diesem Jahr winterlich vermummte Läuferschar. Viele Läufer sehen aus, als wollten sie an einem arktischen Marathon teilnehmen, dabei hat an diesem Sonntag der Wettergott wieder einmal ein Einsehen mit uns Läufern, was auch daran liegen mag, dass in diesem Jahr die Sylter Sagengestalt Ekke Nekkepenn die Läufer auf ihre Reise über die Insel schickt und so vielleicht den Kollegen vom Wetter ein wenig gnädig stimmt.

Christine und Holger mit Vitargo beim Syltlauf
Noch einen Tag zuvor sieht es allerdings so aus, als ob der Lauf gar nicht oder nur verkürzt stattfinden könnte (wie bereits zwei Mal in der 32 jährigen Geschichte des Syltlaufs geschehen). Bei unserem traditionellen Auslaufen am Samstagmorgen trauen wir unseren Augen nicht: Die Insel ist verschneit und ein orkanartiger Ostwind lässt einem selbst als erfahrenem Syltläufer mit Blick auf den Wettkampf am Sonntag mehr als mulmig zumute werden. Dabei ist  die 33,333 km lange Strecke von Hörnum im Süden nach List im Norden der Insel auch ohne diese extremen Witterungsbedingungen eine echte Heraus-forderung. Die für viele ungewohnten klimatischen Bedingungen mit Reizklima und zum Teil heftigen Gegenwind sowie die durch die Dünen im letzten Streckendrittel bedingten Höhenmeter machen aus dem Syltlauf für viele Teilnehmer trotz der fehlenden neun Kilometer zumindest einen “gefühlten” Marathon.

Bei der nunmehr 32. Auflage des Klassikers im hohen Norden, der zu den beliebtesten Landschaftsläufen in Deutschland zählt, bekommen wir gemeinsam mit den rund 1500 Teilnehmer im Vergleich zum Samstag eine „Light-Version“ geboten. Seitlicher Schiebewind und Sonnenstrahlen zumindest auf der ersten Streckenhälfte lassen den rund 960 gemeldeten Einzelstartern den Zieleinlauf an der Grundschule in List als machbar erscheinen. (Allerdings erreichen nur gut 600 Läufer das Ziel, ob das fehlende Drittel aufgegeben hat oder erst gar nicht angetreten ist, lässt sich nicht verlässlich sagen.) Erst auf den letzten vier Kilometern gibt es dann für alle das echte Syltlauf-Feeling: „Wind von vorn“ – und das nicht zu knapp. Da sind aber die meisten durch die empfindliche Kälte und die zurücklegten knapp 30 Kilometer schon so ausgezehrt, dass sie den stürmischen Böen nicht mehr viel entgegen zu setzen haben.

Angesichts dieser Bedingungen ergeht es uns nicht anders als den beiden Seriensiegern bei den Herren und Damen, denn beide verlieren gegenüber dem Vorjahr rund drei Minuten. Bei uns beiden sind es vier Minuten gegenüber unserem letzten gemeinsamen Syltlauf 2011. Im letzten Jahr musste Christine wegen eines Infekts passen, da war ich eine Woche vor meinem folgenschweren Unfall alleine und mit 2:41 Stunden bei allerdings traumhaften Bedingungen deutlich schneller unterwegs. Apropos Unfall: Der liegt nun fast genau ein Jahr zurück und nach dem ersten Schock hatte ich mir damals im Krankenhausbett vorgenommen, alles dafür zu geben, um 2013 am Syltlauf teilnehmen und meine Serie fortsetzen zu können.

Mit Vitargo beim Syltlauf

Nachdem Christine, die mit bereits 10 Starts auf der Insel auch eine erfahrene Syltläuferin ist, in den letzten Jahren immer wieder knapp an einem Podestplatz in der Altersklasse W40 vorbeigeschrammt ist, macht sie sich in diesem Jahr berechtigte Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten drei Damen in der W45, zumal ich ihr, so weit dies bei meiner eingeschränkten Leibesfülle möglich ist, Windschatten bieten will. Trotz guter Teamwork auf den letzten vier Kilometern wird es auch beim 11. Start nichts mit einem Platz auf dem Siegerpodest. Woran es genau liegt, weiß die im Ziel an der Lister Grundschule erschöpfte und ein klein wenig enttäuschte  angehende Ultraläuferin auch nicht.  Genau 2:54,11 Stunden brauchen wir für den Lauf über die Insel im Dress des Sylter Vereins Tinnum 66, in dem wir aus Verbundenheit zur Insel und natürlich zum Syltlauf seit geraumer Zeit Mitglied sind. Für Christine reicht es immer noch zu einem starken, allerdings undankbaren vierten Platz in der W45. Ich schaffe es zum 17. Mal auf Sylt zu finishen und tatsächlich ein wenig Windschatten zu bieten. Einfach glücklich bin ich darüber, dass ich bei meinem Lieblingslauf überhaupt laufen kann – und das ohne Schmerzen. Was für eine Bedeutung hat da die Zeit?

Wir bleiben nun noch knapp zwei Wochen auf Sylt und werden versuchen zumindest noch zwei längere Läufe in Vorbereitung auf den Rennsteig hinzubekommen. Das nächste Etappenziel auf dem Weg zum Rennsteig heißt dann „Weiltalweg-Marathon“ am 21. April.

Bild und Textquelle: Holger Deifuß