So war der UTMB 

Liebe Freunde,

ich möchte euch von den Tagen in Chamonix erzählen. Das grösste Abenteuer wurde zum absoluten Chaos. Wir kamen ein Tag vor dem Start des UTMB (166 km, härtester Traillauf der Welt) in Chamonix an und der weisse Riese begrüsste Sylvi und mich mit Sonne und Hitze. Ich verschwendete keine Gedanken daran, dass das Wetter am Tag darauf schlechter werden könnte. Die Vorhersage war völlig okay.

Ich war fit. Ein Jahr Training. 6000 Kilometer sind in meinen Beinen. Ich wollte nichts mehr als endlich an dieser Startlinie stehen. 2300 andere (aus 40 Nationen) ging es vermutlich sehr ähnlich.
Was hab ich alles getan! Nachts trainiert, bei Schnee gelaufen, 10 Stunden Trailläufe in den Alpen…Irrsinn! Freitag 18.30 und das Ding wird gestartet. 2300 Leute liefen unter Jubel von sehr, sehr vielen wanhnsinnigen Zuschauern in Chamonix los. Ich gab noch ein Interview und stand ganz hinten. Als 2330er überquere ich die Startlinie – 15 Minuten nach dem Startschuss. Es dauerte dann nochmals gut 35 Minuten bis ich vom Gehschritt ins Laufen übergehen  konnte. Nach 2,5 Stunden waren  die ersten 1300 Höhenmeter weggemacht und ich lief auf Position 571 nach 21 km in St.Gervais ein. (ich hatte mehr als 1500 Leute überholt) Volkfest! Tausende standen an der Strasse und feierten uns. Meine Beine waren warm und alles war so gut. Jetzt sollte der UTMB richtig losgehen.
An der Verpflegung dann der Dämpfer! Der Lauf ist abgebrochen! Erdrutsch am Col de la Seigne, Regen, Unwetter, Schnee. Keiner will es glauben. Wir dachten zuerst an eine Scherz, an ungewohnte französische Comedy.  Kein Witz. Der UTMB war hier zu Ende und damit auch mein Traum den ich über Monate hinweg aufbaute und pflegte.

Im Anschluss wurden wir mit Bussen zurück nach Chamonix gebracht. Der Hohn kam später: Um 4.30 Uhr bekamen alle Teilnehmer eine französisch verfasste SMS, dass der UTMB an anderer Stelle und gekürzt stattfinden wird. Abfahrt wäre 6.30 Uhr in Chamonix. Der auf die Hälfte gekürzte Lauf fand tatsächlich statt und wird heute auch als “UTMB” kommuniziert. Die meisten hatten keine Chance überhaupt daran teilzunehmen. Der UTMB hat sich demontiert.

Ich weiss noch nicht wie ich mit der Situation jetzt umgehen soll. Nach vorne schauen? Nächster Jahr laufen? Noch mal 6000 km trainieren, die Familie nerven?
Ich komme mir vor wie ein Kind dem man das Spielzeug weggenommen hat kurz nach dem es aus der Schachtel kam…
Vielleicht kann mich mal jemand wecken.

Ultra Trail ist schrecklich:)
Euer Denis

Text und Bildquelle: Dennis Wischnewski

Weitere Artikel aus dem Vitargoblog

Loading…

Der Artikel wurde am 1.09.2010 geschrieben. Er ist folgenden Schlagworten zugeordnet: . Sie können hier einen Trackback senden Trackback zum Artikel anlegen. Kommentieren Sie den Artikel und lassen Sie sich bei neuen Kommentaren Feed für Kommentare automatisch benachrichtigen.
Nachschlagen bei Wikipedia   Was ist ein Trackback? | RSS-Feed? | Social Tagging?

Keine aktuellen Kommentare

Sie können den ersten Kommentar schreiben. Worauf warten Sie!

Schreiben Sie einen Kommentar zum Artikel







(x) Pflichtfeld. Gravatare werden angezeigt.
Kommentare unangemessenen Inhalts werden moderiert.
XHTML: Sie können diese sog. Tags zur Formatierung verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>