Vor fast genau einem Jahr meldete ich mich zum 10. Ironman European Championship Germany an. Zur meiner Überraschung spendierte mir die Startgebühr meine Firma die EURONICS XXL DÖBELN und LEXMARK. Das war für mich wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Frau Huber, Herr Morgenstern Ihr seit die Besten.
Von nun an, plante ich mein Training und wollte im November damit beginnen mich auf mein großes Ziel 2011 vorzubereiten. Eine neue pers. Bestzeit sollte her: „Ich will unter 11 Stunden ins Ziel kommen.“. Doch dann kam alles anders. Am 5. August 2010 verstarb vollkommen unerwartet mein Vater und für die Familie Stiewe kamen dunkle Zeiten. Ich stellte mir die Frage ob ich es wirklich mit dem Ironman durchziehen will oder doch lieber sein lassen soll.
Die Entscheidung war mit Absprache meiner Familie getroffen und ich trainierte mehr oder weniger wie geplant. Trotzdem konnte ich eine gewisse Motivationsschwäche nur schwer überwinden, immer wieder reiste mich die Trauer und das Leid meiner Mutter aus dem Konzept und ich stellte mir oft die Frage: „Warum mach ich das und tu mir noch sowas an.“.
Zu dieser Zeit waren mir die Menschen sehr nahe auf die ich immer zählen konnte. DANKE Ihr Lieben.
Die Wochen vergingen und der ersten Tests wie einen Marathon, Radmarathon, einem olympischen und Halbdistanztriathlon standen an. Hier merkte ich zu oft, dass ich mental und von der Motivation nicht auf der Höhe war. Ich kam zwar jedes mal ins Ziel aber nicht zu den Zeiten um beim Ironman eine neue pers. Bestzeit aufzustellen und so orientierte ich mich den Ironman mit Würde zu finishen.
Der Tag der Wahrheit war gekommen.
22.07.: Ich fuhr bereits zwei Tage früher nach Frankfurt am Main um mir so wenig Stress wie möglich mit den organisatorischen Dingen zu machen.
15:00 Uhr Wettkampfbesprechung und 19:00 Uhr Nudelparty mit allen Teilnehmern aus 55 Nation. Es war ein unbeschreibliches Gefühl dabei zu sein. Jeder tickt gleich, jeder hatte das Glänzen in den Augen. Ich fühlte mich wohl in dieser Atmosphäre.
23.07.: An diesem Tag stand nur das Bike Check In an, nun wurde es Ernst, nun gab es endgültig kein zurück mehr. Meine nette Helferin zeigte mir meinen Wechselplatz und alle Wege wo was ist.
24.07.: Es ist soweit, der „Längste Tag des Jahres.“ bricht an.
4:00 Uhr klingelte der Wecker und ich frühstückte mehr oder weniger ruhig.
5:00 Uhr fuhr ich zum Langener Waldsee wo das Schwimmen statt fand. Dort angekommen spürte ich sofort diese gewissen Spannung unter den Triathleten, hier merkte ich, warum ich für den Triathlon lebe. Ich bereitete meine Wechselplatz gewohnt vor. Erst jetzt entschloss ich mich, die Wettkampfsachen erst nach dem schwimmen anzuziehen. Bei kalten 11Grad und den Wetterbedingungen die wir alle an diesem Tag erleben durften, war es die richtige Entscheidung.
6:45Uhr ging die erste Gruppe der 70 Profis und die 300 besten AK Triathleten gingen an den Start.
7:00Uhr „Let´s get ready to rumble…..“
Die geballte Spannung, Vorfreude, Angst von 2000 Triathleten entlud sich endlich und es ging mit Massenstart auf die 3,8km lange Schwimmstrecke. Welche in zwei Runden mit kurzen Landgang bewältigt werden musste. Das Wasser kochte förmlich und es galt in einem Meer voller Armen und Beinen Ruhe zu bewahren und sich voll auf sein Ziel zu konzentrieren. Klar war, dass man kaum ungeschoren aus der Startphase rauskam und ich steckte auch ein paar Schläge ein. Das Schwimmen bei 21Grad Wassertemperatur war trotz all dem für mich recht angenehm. Ich hielt mich an meinen Plan und überzog nie das Tempo.
Nach 1:20.54h kam ich aus dem Wasser und rannte über den steilen Anstieg zur Wechselzone. Dort angekommen schnappte ich mir meine Beutel mit den Klamotten und zog mich um. Die Entscheidung trockene Sachen anzuziehen war schnell sinnlos, da es pünktlich zum Radsplitt anfing zu regnen.
Der Beginn eines unglaublichen Tages…
180km Radfahren auf komplett gesperrten Strassen. Die Raddistanz musste mit Anfahrt und zwei Runden durch das Frankfurter Umland gefahren werden. Schnell spürte ich, dass es heute ein harter langer Tag werden wird. Auf den ersten 10 Kilometern kamen wieder diese Schmerzen in den hinteren Oberschenkel wie schon vor vier Wochen auf der Halbdistanz. Ich biss die Zähne zusammen und spulte bei herbstlichen Wetterbedingungen die ersten 50 Kilometer runter. Die Strecke war gespickt von einigen Anstiegen und sehr schnellen Passagen wo man es laufen lassen konnte.
Namen wie „The Hell“, „Burgmeile“, „ Heart Break Hill“ ist jedem Ironman ein Begriff, dort waren die Stimmungsnester und es waren wieder tausende an der Rennstrecke. Es kam wahres „Tour de France“ Feeling auf. Die Zuschauen schrieen einem förmlich die Berge hoch.
Die Freude Stand allen von uns ins Gesicht geschrieben. Es wurden Partys mit Livemusik und DJ´s gefeiert. Am höchsten Punkt der Strecke waren die Jungs von Hannes Hawaii Tours am Start, die eigens eine Bus hatten und uns mit cooler Housemusik beschallten. All diese Eindrücke machten es einfacher die Kälte, den Regen und die erbarmungslosen Winde zu ertragen und Vollgas zu geben. Viele Athleten waren diese Bedingung trotzdem zu heftig und gaben unterkühlt oder mit Defekten auf. Einige stürzten und müssten medizinisch betreut werden. Profis gaben total entkräftet auf. All dies motivierte mich und ich spulte die Kilometer runter. Die Zeit verging wie im Flug, klar war mir auch kalt und ich konnte zeitweise meine Zehen nicht mehr spüren. Bei der Ernährung setzte ich wieder auf Vitargo Endurance Riegel. Aber es ging weiter und ich kam durchnässt und fröstelnd Richtung Ziel des Radsplitt´s.
Die 180km fuhr ich in einer Zeit von 6:08:04h. Mehr war für mich an diesem Tag nicht drin und ich musste schnell feststellen das ich meine Wunschzeit von max. 5:20h nie schaffen werde. Naja egal… In der 2. Wechselzone angekommen wurde mir das Rad abgenommen und ein anderer Helfer führte mich zu meinen Laufsachen.Der Wechsle war nach knapp 5min erledigt und es ging auf zur den letzten 42,195km laufen…
Der abschließende Marathon musste in vier Runden entlang des Mains an der Skyline Frankfurt´s gelaufen werden. Ein Atemberaubendes Gefühl machte sich in mir breit als ich auf die Laufstrecke ging, tausende Menschen feuerten uns an. Ich kann gar nicht sagen wie oft ich meinen Namen hörte. Die Wetterbedingung waren unverändert kühl und regnerisch.
Ich fühlte mich erstaunlicher Weise sehr gut und konnte ohne Mühen die erste Runde laufen. Keinerlei Krämpfe oder Magenprobleme. Die Ernährung ist in dieser Phase des Rennen äußerst wichtig und keinen Einbruch zu erleiden, also zog ich meine Ernährungsplan so durch wie ich es trainiert habe. Gel´s, Isogetränke, Cola, RedBull und ab und zu etwas Salz halfen mir die üblichen Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Nach ca. 15km merkte ich allerdings, dass ich immer schwerer Beine bekam und ich kurze Gehpausen an den Verpflegungsstellen einlegen musste. Die zweite Runde war geschafft.
Immer mehr merkte ich, dass mich das Radfahren mehr Körner gekostet hat als mir lieb war. Es ging schon lange nicht mehr um eine gute Zeit sondern nur noch ums finishen.
30km waren geschafft, die dritte Runde zu Ende.
„Noch einmal, noch eine Runde und Du hast es geschafft. Daniel, quäl Dich Du Sau, LAUF MANN…“ Diese Worte werde ich nie vergessen die mir ein Zuschauer zurief.
Motiviert nahm ich noch mal alle Kraft und rannte die letzte Runde, es sollte meine schnellste Laufrunde werden. Wie in Trance lief ich und holte mir bei der Streckenkontrolle mein letztes Bändchen ab. Noch 3 Kilometer und ich bin zu Hause. Es schossen mir so viele Gedanken durch den Kopf, dass ich das Leben an der Strecke nicht mehr wahr nahm. Es war mir alles egal nur noch finishen. Der letzte Kilometer, ich war kurz vor den Zielkanal mit rot ausgelegtem Teppich und ich konnte die Tränen der Erleichterung nicht mehr verbergen. Ich bog in den Zielkanal ein und es war der reinste Wahnsinn dort zu laufen und sich feiern zu lassen. Völlig benommen lief ich Richtung Ziel. Hunderte auf den Tribünen feierten uns Ironman´s.
Es war geschafft und ich bin zum dritten mal Finisher einer Langdistanz. Dieses Rennen verlangte alles von mir ab und es entlud sich jeglicher Schmerz und Trauer. Es war mit Abstand der emotionalste Triathlon den ich je gemacht habe. So viele Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich spürte das mein Vater an diesem Tag ganz nah bei mir war.
Dieser Ironman ist für Dich….
Es war nicht meine Bestzeit aber ich habe alles gegeben, mehr war an diesem unglaublichen Tag mit Regen, extremen Winden und Temperaturen von knapp 13grad nicht drin.
P.S.: Ich möchte mich bei allen bedanken die mir geholfen haben, diesen vorerst letzten Ironman zu finishen. Es wird Zeit zur Ruhe zu kommen. Mutti du bist die Beste…. Achja und natürlich Ricki, mein lieber Hund hat immer fein auf meine Sachen aufgepasst wenn ich im Freiwasser schwimmen war.
Ganz besonderen Dank geht an meine Sponsoren, vor allem an die Euronics XXL Döbeln, Frau Huber, Herr Morgenstern ich bin Euch was schuldig, dass Ihr mir dies ermöglicht habt.
DANKE !!!!
Meine Wettkampfzeiten:
swim: 1:20:54h
bike: 6:08:04h
run: 4:34:54h
Gesamtzeit inkl. Wechsel: 12:21:06
AK (35-39): 272 (von 343 Finishern)
Gesamtplatz: 1541
Glückwunsch zu dieser Leistung!
Textquelle: Daniel Stiewe http://www.triafreak.de/index.php/berichte/items/id-10-ironman-european-championship-germany.html