Wir schreiben Februar 2011, circa 4 Monate vor der Premiere der Zugspitzumrundung.

So langsam wird es ernst und nun fängt bald der Plan B an.
Ein deutscher 100km Bergultra mit 6000 Höhenmeter wirft seine Schatten voraus.
Nach Plan A, 4 Monaten entspanntem Laufen ohne Trainingszwang, aber mit einem Ultralaufabenteuer im Monat, fängt ab März der Plan B, die Trainingsphase auf die zwei Bergriesen an.
Ende Juni soll der größte Berg in Deutschland, die Zugspitze, umrundet werden und Ende August das komplette Mont-Blanc-Massiv. Es gibt viel zu tun, also packen wir es an.
Nun aber noch zum Abenteuer vom letzten Wochenende. Es war eigentlich ein Glückpilz-Lauf.


In allen Belangen hatten wir, Willi und ich heute Glück.Es begann schon um 5:45 Uhr am Samstagmorgen: strömender Regen. Was für ein Glück, konnte ich mein neues Weihnachtsgeschenk, die ultra-teure wasserdichte lange Laufhose endlich auspacken und auf Herz und Niere beim langen Lauf testen. Und zum Glück hatte ich, trotz den 10° warmen, sonnigen Werktagen meine Wintermütze noch nicht weggepackt. Wow; Regen, 2° im Spessart, nass-kalter Samstagmorgen und 50km to go zwangen mich mit Regenhose, Regenhut, Wintermütze und Regenjacke loszulaufen.

Willi hatte heute die Strecke Hösbach-Eichenberg-Engländer-Eselsweg-Heigenbrücken/Pollasch-Weibersbrunn-Waldaschaff-Hösbach ausgearbeitet. 50km und 1050Höhenmeter. Vollkommen autonomes Gelände; das heißt zum Glück keinen Bäcker, kein Supermarkt oder Tankstelle in der Nähe. Wir durften alles im Rucksack mitnehmen. 1 Liter Wasser, 0,7 Liter Squezze, 0,7 Liter Vitargo, 0,7 Liter frische, selbstgekochte kalte Brokkolisuppe.
Bei Eichenberg geht’s unsere selbsternannte Bergtrainingsstrecke (ab Februar soll es hier 1x wöchentlich 1000Höhenmeter oder mehr öfters hoch und runter gehen) sehr steil bergauf.
Und dann finden wir doch wahrlich auch noch einen Glückpilz auf dem Weg. Das passt doch zum heutigen Tag.
Nach 2,5 Stunden erreichen wir den sagenhaften Aussichtpunkt am Pollasch bei Heigenbrücken. 21km Arbeit sind verrichtet.
Mein heutiges 50k-Menü: fast tiefgefrorene Rosinen als Vorspeise (nach 1,5 Stunden), gab es nach 2,5 Stunden 0,5 Liter richtig leckere kalte Brokkolisuppe aus der Trinkflasche. Als Nachtisch, weil ich schon richtig Hunger hatte, schob ich ein Vitargoriegel nach. Mit der fein pürierten Brokkolisuppe hatte ich auch Neuland betreten. Man sagt ja immer solche langen Läufe sind auch zum Testen da. Also, Suppe kochen, kalt werden lassen und reinhauen. Und ich hatte Glück: sie bleib drinnen und nährte mich ausreichend. Auf jeden Fall ist sie eine Alternative zu allen anderen Pulvergetränken.
Weiter geht’s auf unserem Glücksweg.
Bei 31km gab es die restliche Suppe und es ging lange bergab mit der Laufstrecke zu den Anglerseen bei Waldaschaff. Nach ausreichender Bewunderung der neuen Autobahnbrücke, konnten wir es einfach nicht lassen.
An der Baustelle den Berg hoch und ab auf die „neue“ Autobahn. Unendliche Weiten begegneten uns. Neben dem freigesprengten Canyon gab es sehr viel Matsch, viel Schotterwege und am Ende feinster Asphalt auf einer Breite von 6 Fahrspuren. Zum Glück waren wir 5 Stunden lang alleine im Wald gewesen, um ausgeruht den Dauerlärm von der A3, ca 5 Meter neben uns, 2-3km ertragen zu können. Ständig hupten uns Autofahrer zu und winkten uns freudig zu. Wohl noch nie Läufer mit Rucksack und Regenklamotten im Februar gesehen? Aber anscheinend waren wir ein wahres Weltwunder für die Fahrer.
Kurz vor Ende, ca. 20min vor der wärmenden Dusche hat es mich doch noch erwischt.

Ein Hungerast. Ich dachte, ich pack es noch, aber die Kräfte schwanden extrem schnell. Kurz Pause und zum Glück hatte ich noch Wasser und einen Vitargo-Gel im Rucksack. Das feuerte noch mal richtig rein und es ging zügig nach Hause. Das letzte Glück hatten wir, dass wir zur gleichen Zeit nicht am Brocken unterwegs waren, denn da erwischte es die Läufer noch richtig heftig: -6°, starker Orkan auf dem Brocken, kräftiger Schneefall und Probleme beim nächtlichen Heimtransport. Also, alles richtig gemacht. Ein schöner, glücklicher Spessartlauf über 6 Stunden, Regenhose sehr erfolgreich getestet und saftige 4200kcal verbrannt.
Ab nun geht’s dann los mit dem Wettkampftraining: Mitte März geht’s nach Frankreich zum Trail du Petit Ballon. 47km und 2100Höhenmeter sind zu Beginn mit exquisiter französischer Verpflegung sind angesagt. Wir freuen uns darauf.

Keep on trail-running
Oliver
Qulle: Oliver Binz - http://www.binz-online.com/Weg_2011/Weg_2011.html