#1 Trailstory– der Weg über die Zugspitze zum Mont Blanc 2011 –
Heute: Im Spessart unterwegs
06.November 2010;
Es ist mal wieder Zeit um auf dem Trail mal wieder richtig zu rocken.
Der tiefe Spessart soll mit dem Garmin erforscht werden. Unser Ziel ist es ohne Papierkarte meine selbst ausgetüftelte GPS-Karte abzulaufen um Erfahrungen im Orientierungslauf zu bekommen.
50km mit 1500 Höhenmetern sind auf dem Weg zwischen Laufach, Wiesen, Frammersbach und wieder nachLaufach zu finden und abzulaufen. Wir wollen die Wintermonate mit einem selbstgestrickten Ultra pro Monat überbrücken, um fit in die ab März beginnende Trainingsphase zu gehen.

Raus aus dem Auto, Rucksack auf, Navi an…. und dann begannen gleich die ersten ernsthaften Probleme. Es regnet Bindfäden und ich bekomme keine Satellitenverbindung. Toll, das erste Mal keine Papierkarte dabei und schon orientierungslos? Hilft alles nichts, grob nach Norden den ersten Berg in Richtung Jakobstal überqueren. Willi und ich haben erste Abstimmungsprobleme; er will nach rechts, ich nach links, das Navi hat immer noch keine Verbindung; nun andersrum, es schüttet wie aus Eimern, die Laune sinkt schon, nach 30 min Erstaunen! Wir sind fast wieder da, wo wir angefangen haben. Klasse, wir sind im Kreis gelaufen. Aber siehe da: da Navi meldet sich zu Wort; wir sind lokalisiert und sehen uns als blaues Dreieck auf der Landkarte. Ok. Quer durch den Wald, über Stock und Stein, gelangen wir auf einen grünen Teppich – Mooswuchs vom Feinsten – ein unglaubliches Laufgefühl fast über 100 Meter. Unten angekommen sind wir wieder auf der Spur.
Es geht in den Unterlohrgrund, einer Ansammlung von einigen Häusern, ziemlich verlassen.
Ruppig ist der Weg, von Wildschweinen durchgewühlt, somit fast kein Weg mehr sichtbar.



Mittlerweile weiß ich auch den qualitativen Unterschied zwischen den durchgezogenen Linien auf der Computerkarte und den gestrichelten Linien. Ich glaube Willi hat mich heute das eine oder andere Mal verflucht. Aber, so ist der Trail. Ebene Wege kann jeder Laufen. Nass sind die Füsse schon seit der 1.Stunde. Das Wasser läuft vorne raus, da macht der Schlamm nichts mehr aus.
Bergauf, bergab; wir kommen über Heinrichsthal nach Wiesen. Ca 2 ½ Std sind wir unterwegs, wir fühlen uns gut. Essen und Trinken erledigen wir im Gehen, somit sind wir konstant zügig unterwegs. In den 6 Stunden komme ich heute mit 4 Stück Vitargo-Gels und 2 Endurance-Riegel gut zu recht.
Nun, Wiesen ist weit weg, aber noch abgelegener liegt Mosborn.

Die Landesgrenze nach Hessen haben wir auch schon überschritten, sagt Willi. Vor 10 Jahren noch ca. 12 Häuser in Mosborn, stehen heute bestimmt schon 30 Häuser hier. Das Wetter ist saumäßig. Permanter Regen, 5°Grad, mal ist uns kalt, mal geht’s wieder, aber alles ist komplett durchgeweicht. Über den Eckhardskof geht’s runter nach Frammersbach, zurück nach Bayern. Im Ort rechts, links, rechts und die Steigung von 29% kommt uns entgegen. Oben angekommen, verpassen wir vor lauter Quatschen die Kreuzung, oder ich habe mal wieder zu spät auf das Navi geschaut. Kann man das Ding nicht in die Brille integrieren???

Gut, dank Onlinekarte auf dem Navi geht’s im Wald direkt downhill-mäßig runter. Wir erreichen die Aubachseen, und kommen über den Wald nach Wiesthal. Wir schreiben 16:05 Uhr als wir um die Ecke schießen und ca. 10 verdutzen Männern gegenüber stehen.
Samstagnachmittag in Deutschland – ein riesen Feuer für Kartoffeln – ein Radio – Bayern1 – Fussballbundesliga – Bier – 10 Männer um das Radio und wir hören kurz rein, Bayern München ist zu Gast in Mönchengladbach. Das Feuer ist verlockend warm, aber die kommende Dunkelheit kommt auch immer näher. Also nichts wie weiter.

Klar, die Männer lassen wir mit offenen Mündern sitzen, nach den Fragen „wo wollt ihr hin?“ und „ wo kommt ihr her?“. Das verstehen die wenigsten.
Bergauf, bergab wir kommen von hinten über tiefe, wieder wildschweindurchwühlte Wege nach Heigenbrücken.
Der Wildtierpark bleibt links liegen und wir kürzen über den Asphalt in Heigenbrücken ab. Am Bahnhof biegen wir ab, hoch geht’s, an die 30% Steigung am Schwarzbergkopftunnel, der letzte Anstieg für heute. Oben angekommen, überraschen uns zwei Gegebenheiten: erstens totaler Nebel, zweitens es wird ganz schnell dunkel.


Lampen raus, Spot an, doch der Nebel schluckt das ganze Licht. Wir entscheiden uns den breiteren Forstweg gegenüber den Downhilltrail zu nehmen. In Hain angekommen, ist es nur noch Dunkel und der Nebel weggezogen.
Die letzten Kilometer lassen wir es auf dem Radweg ausklingen.
6 Stunden Laufzeit, geile Trails und um ein besonderes Abenteuer reicher belohnen wir uns zuhause mit einer zünftigen Brotzeit und Weißbier.
Bis zum nächsten Lauf im Dezember
Oliver Binz und Laufpartner Willi Melcher
Anfang November 2010


Bild und Textquelle: Oliver Binz per E-Mail

