2009 wurde ich von einem Kollegen angesprochen, dass er einen Teampartner fürs Laufen bräuchte. Im Herbst würde ein mehrtägiger Berglauf stattfinden, wo man zwingenderweise zu zweit starten müsse. „Okay“ dachte ich mir, dazu müsste ich nur zuerst mit dem Laufen überhaupt anfangen. Zwar brachte ich von der Statur her die besten Voraussetzungen mit, mied allerdings in Berlin hier stets das „Joggen“, sondern griff viel lieber zum Fahrrad.
Aber als begeisterter Bergwander setzte die Idee sich fest, so dass ich schließlich im Februar/März 2009 zusagte, wohl wissend, dass ich überhaupt keinen blassen Schimmer habe, was mich da erwarten würde. Also Zeitschriften studieren, Foren lesen, um sich schließlich ein bezahlbares Equipment zusammenzustellen. Tja, dann rein in die Schuhe und hopp hopp durch Berlins Straßen und Weg.
Für die Leute, die noch nicht zum Hauptstadtbesuch hier waren oder sich wie zünftige Touristen eben nur mitten in der City aufhalten, sei an dieser Stelle erwähnt, dass Bergtraining in Berlin so einfach zu realisieren ist, wie Abfahrtsskilaufen an der Küste Floridas. Berlin hat einen Berg, ja, tatsächlich … mit sage und schreibe ca. 100m Höhe ist die Spitze recht zügig erreicht.
Aber egal … „ich weiß doch eh‘ nicht, was da auf mich zukommt“, so dass meine Trainingsläufe selten über 10-15km hinausgehen und zur Trittsicherheit … da vertraue ich mal auf meine Wandererfahrungen aus Österreich.
Der Veranstalter des Transalpin Runs 2009 hatte eine wirklich schöne Strecke auf der sog. „Westroute“ gezaubert. Die Etappen gingen von Oberstdorf nach Lech am Arlberg (AUT), St. Anton am Arlberg, Galtür im Paznautal, Scoul im Unterengadin (SUI), Mals im Vinschgau (ITA), Schlandern im Vinschgau und schließlich die Schlussetappe mit dem Ziel in Latsch. 8 Tage, drei Länder und ca. 245km und einem Gesamtanstieg von 15km Höhe … Tagestouren zwischen 25 und 35km, nicht zu vergessen der Erholungstag der 5. Etappe mit „nur“ mickrigen 6km Bergspringt. Dazu reichlich schönes Wetter … fast durchgängig … und die ein oder andere Stelle mit Schnee.

Und wie gesagt … Zahlen sind gut und schön, aber was mich erwartet … na, schaun’mer mal. Der erste Tag hatte etwas zum Eingewöhnen, 35km … und feinster Schlammboden auf den letzten Kilometern, der so richtig schon an den Schuhen saugte, als man ohnehin zu der Überzeugung gekommen war, dass man aber auch SO GAR KEINE IDEE HATTE, WAS DA AUF UNS ZUKOMMT!
Schmerzen, Blasen, getaped Knie und Füße und ab und an die im Stillen gestellte Frage … WARUM ZUM GEIER TUTST DU DIR DAS AN? Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass am Morgen des 2. Tages ich vor Muskelkater kaum aus dem Bett kam. Als dann einem noch aufgeht, dass man noch reichlich Etappen vor sich hat und vor allem, dass man sich in 1-2h wieder sich 30km Trail stellen muss … tja, da freut man sich doch dafür extra Urlaub genommen zu haben. ?
Aber es war traumhaft …. traumhafte Bergpanoramen (ok, manches realisiert man erst später auf Bildern) … und ein Feeling, wie es kein schnöder Lauf in der Stadt es einem mitteilen kann. Nicht umsonst war das Motto … „Keep on running“ … und das taten wir auch … jeden Tag aufs Neue … und die Sucht danach hat mich seitdem nie wieder losgelassen. Transalpine Run 2010, Zugspitz Ultra 2011 und schon das ein oder andere Event 2012 im Auge bzw. hinter mir zeigen jedes Mal aufs Neue, dass „man nur dort richtig war, wo man zu Fuß gewesen ist“.
Seitdem mein Sportgetränk Nr. 1, der Carboloader … denn nichts ist fataler, wenn einem die Kräfte unterwegs verlassen oder der Magen rebelliert, was ich insbesondere bei den Transalpine Runs gesehen habe. „Never change a running system“ … hier umso mehr, daher vielen Dank an der Stelle an das tolle Produkt von Vitargo.
Bild und Textquelle: Joachim Deichmann (Berlin) per E-Mail!