Sein Rennbericht – racing the sunset! Glückwunsch an Rainer und vielen vielen Dank für die tollen Berichte vom Rennen! You are an Ironman!!!

racing the sunset
Sonntag, 12. Oktober 2008
It was windy.
It was hot.
It was humid.
Yo, dude [as this year's youngest competitor might have put it]. It’s freakin’ Kona. It’s the world’s toughest endurance event. It’s supposed to be, like, windy, hot and humid!
You think bragging rights come from coasting downhill on a Barcalounger for seventeen hours?
Chrissie Wellington’s gigawatt smile didn’t come from winning a pinochle game.
You want calm, cool and dry, go race in Brooklyn.
Auf den Punkt gebracht: windig, heiß, feucht und noch eine Minute bis zum Sonnenuntergang. Ob es sehr war? Sehr windig? Es war so windig, dass es mich auf der Abfahrt von Hawi nach Kawaihae bei sechzig Sachen beinahe geschmissen hätte. (hat nicht viel gefehlt).
Es war so heiss, dass das Thermometer im Energylab 108F anzeigte. (42°C!)
Es war so feucht, dass ich beim Laufen nicht mehr abtrocknen konnte.
OK, aber mal von Anfang an.
An so einem Ironmantag kann man sich wirklich nicht viel anderes vornehmen. Vier Uhr, der Wecker klingelt. Völlig unnötig, denn seit mindestens zwei Stunden drehe ich mich wie eine Spanplatteschraube in meinem Kingsize Bett. An Schlafen ist nicht zu denken. Ein schmales Frühstück und um fünf finde ich mich beim bodymarking wieder. Immerhin halten die gestempelten Ziffern noch heute, so dass ich große Hoffnung habe durch den Sonnenbrand drumherum auch zu Weihnachten als Nummer 881 durchzugehen.

T1
Auf dem Pier die 10.000.000 Dollar Show. Die Helfer sind mit Standpumpe und Taschenlampe zum Ablesen der Druckanzeigen ausgestattet. Vorne verhandelt einer der Profis mit den Schiedsrichtern, ob seine Kohlefaser Cockpitverkleidung regelkonform ist. Sieht aus wie die Rennverkleidung an einem Motorrad. Passt nicht durch den offiziellen Bilderrahmen und muss daher teilweise wieder abgebaut werden.
Ich verstaue meine Verpflegung am Rad, richte meine Nummer und den Helm und werfe wie alle anderen so gegen zwanzig vor sieben meinen Beutel mit meinen Schuhe und den Ausgehhosen für nach dem Rennen elegant über einen Zaun auf den großen Haufen.

dig me beach
Beim Betreten der kleinen Treppe runter zum Strand, heule ich meine Brille voll. Nationalhymne und der Segen des Hawaiianischen Priesters verfehlen ihre Wirkung nicht. Ich halte mich links. Das soll günstig sein, weil ich dann beim Atmen nach rechts immer die Bojen sehen kann. Ich halte mich auch ziemlich weit hinter der Startlinie auf. Schlägereien im Wasser sind nicht so mein Ding.
Dann knallt es plötzlich laut und schon sind wir unterwegs. Das erste Stück kommt mir von den Tagen der Vorbereitung schon ziemlich bekannt vor. Auf dem zweiten Teil des Hinweges zum Wendepunkt wird die Sache mit der Strömung schon ein bischen spannender. Zweimal kommt der nette Mann auf dem Surfboard zu mir und erklärt ich dürfe ruhig näher ran an die Bojen. Recht hat er ja. Zwar sind die Markierungen schön rechts von mir, aber so weit weg, dass ich sie doch nicht so richtig sehe.
Naja irgendwie hab ich die Kurve um den Katamaran dann doch gekriegt und mache mich auf den Heimweg. Das dauert noch ein Weilchen aber dann finde ich sogar eine Gruppe, mit denen ich mitschwimmen kann. Knapp eine Schwimmbadlänge vor dem Ausstieg flitzt noch eine Schildkröte unter mir durch. Dann geht es auch schon die Stufen wieder hoch und in die Wechselzone.
Da ruft schon von weitem einer welcome to the worlds longest transition area. Die in Hamburg ist zwar immer noch ungeschlagen lang, aber hier auf dem Pier in Kona ist man auch schon eine ganze Weile unterwegs.
Zwischendurch den Schwimmanzug runter, während mir ein Helfer auch schon die Arme und den Nacken mit Sonnencreme einreibt.
Und raus aufs Rad und los! Palani Road hoch und links Richtung altem Flughafen. Ich ziehe meine Schuhe an und versuche schon mal ein bisschen was zu essen. Hatte die beiden Hügel hier in der Stadt gar nicht auf der Rechnung. Dafür rollt es dann schon bald flott in Richtung Flughafen.

Dr. H, noch im Rennen
Das Radrennen entwickelt sich erst einmal so wie das in Zürich. ich überhole für die ersten Zwanzig Kilometer fast ohne Unterbrechung. Verpflegungsstelle: Wasser über die Beine und Füsse. Flasche abwerfen. Neue Flasche. Noch eine Flasche Gatorade, schnell ein paar Schluck, das Gatorade wieder abwerfen, noch mal Wasser über den Kopf und weiter. Nach einer Weile hab ich den Bogen da ganz gut raus und denke schon, so könnte es weiter gehen. Aber dann kommt die Kreuzung in Waikoloa und der kleinen Hügel dahinter und innerhalb von hundert Metern Strecke haben wir statt keinen Wind einen Mörderwind schräg von rechts vorn.
Alles kriecht den Hügel rauf. Der ist zum Glück nicht sehr lang. Also weiter Richtung Kawaihae. Da über die Kreuzung und auf dem ersten Anstieg hat uns der Wind wieder. Und er wird uns nicht mehr loslassen. Bergauf nach Hawi geht es noch. Ab und an zerrt es ordentlich an den Aerobars aber ist fahrtechnisch noch alles im Grünen Bereich.
Die uns entgegenkommen, also die Profis, sehen da schon ein bisschen unglücklicher aus.
In Hawi gewendet wird mir auch schnell klar, dass das schwierige Stück der Strecke jetzt erst kommen wird. Die Abfahrt nach Kawaihae zurück ist schnell und extrem böig. Meistens kann ich an den vor mir und mit mir fahrenden den Wind noch ein bischen vorausahnen aber plötzlich hätte es mich wirklich um ein Haar geschmissen. Bei maximal möglichem Tempo. (Das muss so um die 60 km/h gewesen sein.) Nicht viel weiter hat es einen gekostet. Er liegt auf der Straße, der Notarzt über ihm.

Waikoloa
Und während ich mich noch auf das Flachstück rund um Waikoloa freue, wird mir plötzlich klar, dass ich bei dem ganzen Wind und der Aufregung und dem Kampf auf der Strasse zu bleiben für viel zu lange Zeit nicht ordentlich getrunken und gegessen habe. Mein Puls sinkt, obwohl ich ordentlich arbeiten will und ich habe dass Gefühl ich komme nicht von der Stelle. (Ehrlich gesagt war ich auf sauer dass mich diese Belinda aus Kanada dreimal überholt hat.) Bei mir gehen die Alarmglocken! Ich bin total salzverkrustet. Gel Wasser Vitargo ich versuche alles mögliche in mich herein zu stopfen. Mein Puls steigt wieder ein bisschen. Doch der Weg zurück in die Stadt ist wirklich hart. Der Wind blässt konstant von vorn und selbst auf flachen Gefällestücken muss ich vorn auf dem kleinen Blatt fahren um rund treten zu können.
Irgendwie kommen wir in einer losen Gruppe dann plötzlich die Palani Road herunter und springen auch schon von den Rädern.
Die Gretchenfrage beantworte ich mit keine Socken auch wenn die langen Dinger in meinem Wechselbeutel lauern und nach einer weiteren Runde über das Pier bin ich auch schon auf dem Alii Drive unterwegs. Das ist so ein bisschen wie sightseeing. Hier bei Hannes vor dem Headquater werden also die Bilder gemacht. Und ein Stückchen weiter White Sands, der berühmte Strand. In den Verpflegungsstellen gibt es jetzt Einswürfel. Ich habe meine Kappe auf. Da kommen die Einwürfel drunter und dürfen langsam Schmelzen. Ansonsten nippe ich alle 500 Meter an einem Gel und versuche herauszubekommen wie schnell ich eigentlich laufe. Gar nicht einfach, weil ich auf Kilometer geeicht bin hier aber nur Meilen angezeigt sind. Dann Palani hoch. Mitten auf diesem fiesen steilen Berg kommt mir Chrissi Wellington entgegen geflogen. Ich versuche noch schnell ein bisschen Fernsehzeit zu bekommen, kann aber kaum noch ein Lächeln zustande bringen.
Bei Hannes am Anfeuerungsstand spielen sie AC/DC Higway to Hell. Wie passend!

megasmile Chrissie
Ich habe noch Nicole Leders Worte von unserem race briefing in den Ohren. Auf dem Highway fängt das Rennen erst an. Vor gut zwei Stunden, als ich hier mit Rad entlang kam, war ich wahrscheinlich Zeuge der Entscheidung um die Krone. Norman bleibt stehen und fasst sich an den Oberschenkel. Craig Alexander stürmt davon.
Hier bei uns stürmt keiner mehr davon. Die Bewegungen zwischen uns Läufern sind eher wie in zähem Honig eingefangen. Es dauert zwei Verpflegungsstationen lang bis ich den Typen mit dem No Limits Aufdruck auf dem Triathlonanzug endlich überholt habe. Die 52 jährige Frau, die daraufhin an mir vorbeizieht ist bei bestem Willen für mich nicht mehr zu halten. Überhaupt, wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, uns unser Alter auf die Waden schreiben zu lassen. Als wenn es nicht schmerzhaft genug wäre sich überholen zu lassen. Vorhin beim Radfahren hab ich einen Stunde lang mit einem 62jährigen gefightet bis ich entnervt aufgeben musste.
Im Energylab lesen sie meine Nummer ab und warten auf dem Rückweg schon mit meinem persöhnlichen Verpflegungsbeutel. Ich werfe schnell zwei Magnesiumtabletten ein und halte mich an meinem Trinkfläschchen fest als wenn Miracoulix da seinen Zaubertrank drinn gehabt hätte. Sekunden später kotzt einer sein Gatorade vor mich auf die Straße.

racing the sunset
Oben am Highway wieder angekommen leuchten mir von dem riesigen Truck, den Ford dort aufgestellt hat die Worte 881 Rainer Lilischkis, keep it up! entgegen. Mein Kopf geht nach rechts. Die Sonne tritt unter den Wolken vor und steht nur noch eine Hand breit über dem Meer. Plötzlich fällt mir auf, dass es da doch noch die Geschichte mit dem Sonnenuntergang gibt. Auf der anderen Starßenseite fährt ein Schiedsrichter auf dem Fahrrad und sieht uns beim Laufen zu. Ich rufe: Hey marshall what is sunset time today. I believe it´s at six. You may make it, it is 5:17.ist seine Antwort. Racing the sunset. Das Buch von Scott Tinley, das seit letzten Weihnachten bei mir am Nachttisch liet. Plötzlich macht der Titel Sinn.

Palani Road
Irgendwie schaffe ich es bis zur Palani Road zurück. Zwischen Gels und Gatorade ruft einer You can make it if you keep moving like this. Dann das ewig lange Stück entlang Kuakini und endlich rechts um Alii Drive.
Zuschauer applaudieren. Ich erkenne die kleine Mauer wieder, die den Ozean begrenzt und dann fängt auch schon der Teppich vor dem Ziel an. Noch hundert Meter. Die Uhr zeigt 10:58: irgendetwas. Ich bleibe stehe und strecke die Arme zum Sprecherturm, dann sagt er es: Rainer you are an Ironman.

finish!
PS. Awards Ceremony
Nur ein paar Worte, die Highlights Georg Anstett aus Leimen hat seine Altersklasse gewonnen. Die Awardsparty ist einem tropischen Regen zum Opfer gefallen. Wir sind nass bis auf die Haut geflüchtet.

Awards Party
Glückwunsch an Rainer und vielen vielen Dank für die tollen Berichte vom Rennen! You are an Ironman!!!
Quelle und Bilder: http://www.100-kilometer.de/