11. Internationaler Marathon auf der Chinesischen Mauer

11. Internationaler Marathonlauf an der Chinesischen Mauer
Jeder Lauf hat seine eigene Geschichte. Jeder Lauf hat seine Menschen und jeder Lauf schafft neue Freunde.

So kann man die Erlebnisse zusammenfassen, die ich im Zuge des 11. Internationalen Marathon auf der Chinesischen Mauer gemacht habe. Los ging es mit dem Flugzeug von München nach Peking. Die ersten Tage wurde erstmal genutzt, um den Jetlag zu überwinden, das Land China und die Stadt Peking kennen zu lernen, und vor allem sich und seinen Körper an das doch für uns nicht so gewohnte Klima zu gewöhnen.

Schon bei einigen kleinen Vorbereitungstrainingseinheiten wurde meiner Kameradin und mir klar, dass das kein Lauf mit gewohnten, eher milden Temperaturen und Verhältnissen werden würde.

Die doch mit 30 Grad sehr hohen Durchschnittstemperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit, sollte uns doch mehr zu schaffen machen, als wir es erwartet hatten.
Nach den ersten Tagen Anlauf, war es dann endlich soweit.

Die Anspannung war schon beim Frühstück im Hotel allen Teilnehmern deutlich ins Gesicht geschrieben. Keiner wusste so wirklich, was ihn auf der Mauer erwarten würde. Jeder kannte nur die Gerüchte, dass es viele Treppenstufen geben würde und das es ein ständiges auf und ab der Steigungen sein wird.

11. Internationaler Marathonlauf an der chinesichen Mauer

Aber umso näher wir uns, im frühen Morgengrauen, dem Mauerabschnitt bei Jinshanling näherten, desto mehr bekamen wir die Gewissheit, wie bergig es werden würde.
Nach 2 Stunden Busfahrt von Peking aus, endlich an der Mauer angekommen, gab es dann die Auflösung aller Geheimnisse.
Das 100 Mann und Frau starke Teilnehmerfeld erstreckte sich über zahlreiche Deutsche, über viele chinesische bis hin zu amerikanischen und österreichischen Startern.
Der Start, in der Morgensonne um 9:00 Uhr auf 900m über NN, ließ alle Anspannung vergehen und auf den ersten 100 Metern zeigte sich sofort das Bild, was uns die nächsten 42,195 km erwarten sollte. Steile Anstiege, gefolgt von zahlreichen Treppenstufen in allen Größen und Längen.

Die Wettkampfstrecke war in 4 Runden aufgeteilt. Jede Runde bestand aus 3 Abschnitten, welche in Form eines Y aufgeteilt waren. Somit musste man von einem zentralen Punkt ausgehend 3 Arme ablaufen. Am Ende eines Armes war ein Kontrollpunkt, welcher die Startnummer notierte und der einen Verpflegungspunkt enthielt. Somit war man gezwungen, jeden Arm sowohl hin, als auch zurück zu laufen und das Ganze dann 4 mal. Das Streckenprofil war sehr durchwachsen. Der größte Teil bestand aus ungleichmäßigen Treppenstufen, welche entweder rauf oder runter gelaufen werden mussten. Unebene Bodenverhältnisse, Löcher und jede Menge weitere Steigungen komplettierten die Strecke. Somit wohl eine der anspruchvollsten Marathonstrecken, die man sich vorstellen kann.

11. Internationaler Marathonlauf Chinesische Mauer Aber man darf nicht vergessen, dass sich die 42,195 km in einem traumhaften Landschaftsbild einbetteten. Das Gebirge der Pekinger Ebene im Hintergrund und das wunderschöne Bild der Chinesischen Mauer mit ihren Wachtürmen, werden für jeden Läufe unvergessen bleiben, auch wenn man während des Laufens keinen Blick dafür hatte.
Mir war von Anfang an klar, dass man sich auf so einer Strecke kleine Ziele setzten muss, sich über jedes Teilziel freuen, jeden Abschnitt feiern. Aber dafür hat sich die Strecke auch sehr gut angeboten. So habe ich für mich innerlich jeden Kontrollpunkt gefeiert, mich über jede absolvierte Runde gefreut und immer zu daran gedacht, wie ich das Ziel erreichen werde.
Aber trotzdem fängt der Kopf irgendwann an, nicht mehr mitzuspielen. Der Köper wird schwächer, die Muskeln werden hart und mit jeder Stufe mit jedem durchlaufenen Wachturm wird die Anstrengung innerlich, aber auch äußerlich stärker bemerkbar und sichtbar.

Jedoch konnte man unter den Läufern eine gewisse Verbundenheit zur Laufgruppe feststellen. Immer wenn man sich auf der Mauer begegnete warf man sich ein schnelles Hallo oder Auf geht€™s, weiter so zu und feuerte bzw. motivierte sich gegenseitig. Hier zählte weniger das Konkurrenzdenken, sonder mehr das Durchhalten und finishen, welches sich jeder Läufer vorgenommen hatte.
Und so erstreckte sich die Mauer als unüberwindbares, nie endendes Etwas. Jede Stufe wird zur Qual und selbst die kleinen Abschnitte mit Gefällen oder flachen Stücke sind nicht mehr wirklich erleichternd. Man versucht das Tempo möglichst auf den Abschnitten mit Gefälle hoch zu halten und quält sich dafür umso langsamer die einzelnen Stufen hoch.

11. internationaler Marathonlauf an der chinesischen Mauer

Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich fragt, wofür man diese Strapazen eigentlich macht. Bei mir kam dieser Tiefpunkt in der 3. Runde.
Da ist mir ein Zitat eingefallen, welches ich einer Freundin im Zuge eines Ironman Langdistanz – Triathlons gegeben hatte. Manchmal denkst du: Nur noch der eine Schritt geht, nur noch die eine Stufe. Wenn du das oft genug getan hast, bist du auf einmal oben.
In Gedanken an dieses Zitat flogen die Stufen dann nur noch so dahin und das Ziel wurde mit jeder genommenen Stufe sichtbarer, auch wenn ich sehr schnell anfangen musste, so manche Stufen auf allen vieren zu überwinden.

Aber umso näher das Ziel kam, umso besser liefe es wieder und nach 4h und 11min hatte ich das Ziel durchlaufen und konnte meine Leistung mit einem 3. Platz in der Frauenwertung krönen.
Und so ließ die Siegerehrung mit ihrem traumhaften Panorama alle Strapazen schnell wieder in den Hintergrund rücken. In einer sonnenerfüllten Kulisse der Stufen und Wachtürme war die Überreichung der Urkunde und des Pokals eine schöne Belohnung für die erbrachte Leistung und die aufgeopferten Strapazen und bildetet einen würdigen Abschluss.

Dieser Marathon-Lauf wird uns hoffentlich immer als das in Erinnerung bleiben, was er war. Ein Erlebnislauf der zwar fordernd ist und eine gewisse Zähigkeit des Sportlers erfordert, aber durchaus beeindruckend und vor allem einzigartig in seiner Art und Weise ist.

Ich möchte hiermit auch die Chance nutzen meiner Familie zu danken, welche mich, wenn auch nur in Gedanken und mit 6 Stunden Zeitunterschied, mental unterstützt hat, diesen Lauf zu bestehen.

Ein weiterer Dank gilt auch MyVitargo für die Unterstützung in Sachen Wettkampfverpflegung.

Quelle: Bericht von Cornelia Sander (Triathlon Team der Universität der Bundeswehr München) – Danke Cornelia für den tollen Bericht aus China – das MyVitargo-Team!

Weiterführende Links:
http://www.great-wall-marathon-finisher.de/index.html
http://www.unibw.de/triteam/

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